Projekt-Logo: ein gezeichnetes Ginkgo-Blatt
projekt-gink-go.org
Standort: Berichte und Interviews zum Thema AlltäglichesTagebuch – Psychiater, Psychotherapeuten und andere Unzulänglichkeiten

Psychiater, Psychotherapeuten
und andere Unzulänglichkeiten

Verfasst von René van Zon

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Da bin ich wieder! Lange Zeit konnte ich mich nicht an Projekt Gink-Go! beteiligen, zu beschäftigt war ich mit der Suche eines jeden psychisch Erkrankten, was denn nun mit ihm los sei. Acht Jahre lang haben mich verschiedene Ärzte, Psychologen und andere Betreuer nun behandelt; mit den verschiedensten Medikamenten wurde ich vollgestopft und nichts war passiert. Über meine Diagnose "Zwangserkrankung" hatte ich ja nun schon berichtet, immer wieder zeigte ich die typischen Symptome dieser Erkrankung, doch keiner konnte mir helfen. Wie es nun dazu kam, dass endlich herauskam, was ich lange vermutete, davon möchte ich heute erzählen.

Zwanghafte Verhaltensweisen sind oft auch Symptome anderer Erkrankungen des psychiatrischen Formenkreises. So gab ich mich überhaupt nicht zufrieden damit, dass alle Fachleute mir sagten, dass ich halt therapieresistent sei. Denn die meisten Menschen mit Zwangsphänomenen machen wenigstens einige Fortschritte im Therapieverfahren – ich jedenfalls nicht.

Wieder einmal war es meine Schulzeit, die dann alles ans Licht brachte. In einschlägigen Foren berichtete ich von meinen Problemen, und siehe da, ich erinnerte jemanden an eine Freundin, die genau solche Sorgen hatte wie ich: Zwangsphänomene, Probleme mit der Aufmerksamkeit, "immer einen vollen Kopf", – im Verhältnis zu herausragenden intellektuellen Fähigkeiten in besonderen Interessensgebieten. Die Diskrepanz zu diesen Problemen und Fähigkeiten stellte besonders dar, dass ich überhaupt nie in der Lage war, auch in der Kindheit, Freundschaften mit anderen – insbesondere Gleichaltrigen – zu knüpfen. Meine Aufmerksamkeit galt nur meinem Spezialinteresse in der Ausbildung zum Erzieher: Psychologie und Pädagogik. Dass meine Mitschüler mich nicht mochten, ich sie mit meinen ständigen Fragen im Unterricht nervte, war mir total egal. Mich interessierte nur das Wissen. Ich bestand nachher alle Prüfungen mit "sehr gut", hatte aber in meiner Schulklasse keine Freunde, immer wieder Probleme mit ihnen und auch kein Interesse, mich in eine Gruppe einzufügen. Menschen fand ich zumeist eh doof, besonders wenn sie sich Talkshows angucken und Richtershows gut finden. Ihr versteht, was ich meine. Ich hielt mich von ihnen fern, hatte Angst und verstand sie nicht.

In dem Forum bekam ich dann den Tipp, mich in einer medizinischen Hochschule auf das Asperger-Syndrom untersuchen zu lassen. Das Asperger-Syndrom ist eine Form von Autismus. Die Erkrankung noch genauer zu beschreiben, würde den Rahmen sprengen. Wer interessiert ist, für den stelle ich am Ende eine Liste mit guten Links zusammen.

Ich bekam recht zügig einen Termin bei der besagten Hochschule und es war gut, dass ich so dafür gekämpft habe, denn ich muss kritisieren, dass viele Ärzte die Meinung des Patienten, besonders im psychiatrischen Bereich, kaum akzeptieren – wahrscheinlich, weil sie uns alle eh für doof halten. Da haben die sich aber in mir getäuscht.

In der Hochschule wurden viele Tests gemacht, meine Freundin und Familie wurden auch mit eingebunden. Heraus kam dabei, dass ich tatsächlich an dem Asperger-Syndrom und zusätzlich an der "Träumer-Form" von AD(H)S leide. Beides – das Asperger-Syndrom und die Aufmerksamkeitsdefizitsstörung – sorgt für ein ziemliches Durcheinander im Kopf. So sei es logisch, dass ich meine Zwänge einsetze, um eine Struktur in mein Leben zu bringen. Sie abzutrainieren, würde wohl wenig Sinn machen, denn das Asperger-Syndrom wird mir nun mal ein ganzes Leben lang bleiben, und ich brauche diese Hilfen.

Ich bin sehr froh, dass ich dort in der Hochschule war. Ich bekomme jetzt eine gute Therapie und die richtigen Medikamente, um ein wenig den Umgang mit mir und der Umwelt zu lernen. Mein großes Ziel ist es, irgendwann die Ausbildung zum Erzieher zu absolvieren. Drückt mir die Daumen!

Links zum Thema:

Asperger Syndrom:

AD(H)S:

Informationen zum Autor

Name: René van Zon

Verfasst von René van Zon

Zurück zur Übersicht

Seitenanfang