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Standort: Berichte und Interviews zum Thema Gesellschaft und Kultur – Phil Hubbe

Interviewpartner: Phil Hubbe –
Cartoonist aus Magdeburg

"Ich bin ein Freund des britischen Humors."

Phil Hubbe, geboren 1968 in Haldensleben (Deutschland), wollte schon immer Comiczeichner werden. Erst über Umwege erreichte er schließlich sein Ziel und verdient sich seit 1992 seine Brötchen mit Cartoons und Illustrationen. Kreativ, witzig und manchmal auch ein klein wenig böse zeigen Phil Hubbes Cartoons die Welt der Behinderten.

Alexandra: Sie sind Cartoonist mit Leib und Seele, wodurch unterscheiden sich Ihre Cartoons von solchen nichtbehinderter Cartoonisten?

Phil Hubbe: Der Unterschied ist vielleicht nur das Thema, welches ich in meinen Cartoons behandele. Sonst ist da eigentlich nicht so viel anders.

Alexandra: Seit wann arbeiten Sie als Cartoonist und wie kamen Sie zu diesem Beruf?

Phil Hubbes selbst gezeichnetes Portraitbild

Phil Hubbe: Seit 1992 bin ich freiberuflich als Cartoonist tätig. Mein Berufswunsch war mal Grafiker/Comiczeichner. Da es beim ersten Mal mit der Eignungsprüfung an der Kunsthochschule nicht geklappt hatte, fing ich ein Mathematikstudium an. Die Zeichnerei betrieb ich nebenher weiter, immer mit dem Hintergedanken, sie später doch zum Hauptberuf zu machen. So brach ich das Mathematikstudium ja auch nach einem Semester wieder ab. Mit dem Grafikstudium wurde es dann aber doch nichts mehr. 1988 bekam ich die Diagnose MS (Multiple Sklerose). Nachdem dann 1989 auch noch die Mauer fiel, versuchte ich es eben auf einem anderen Weg. Auch ohne eine spezielle Ausbildung habe ich es schließlich doch geschafft, mit der Zeichnerei meinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Alexandra: 1988 haben Sie die Diagnose erhalten, dass Sie an Multiple Sklerose erkrankt sind. Wie sind Sie mit dieser Diagnose umgegangen bzw. wie leben Sie jetzt damit?

Phil Hubbe: Im ersten Moment wusste ich noch nicht so recht, damit etwas anzufangen. Ich kannte die Krankheit nicht. Nachdem ich aber ein kleines Büchlein (MS-Ratgeber) darüber zu lesen bekam, wurde es mir so langsam bewusst. Der Arzt, welcher mir die Diagnose mitteilte, riet mir ja auch gleich, mit der Zeichnerei aufzuhören, da ich ja mit einer Behinderung rechnen müsse. Zum Glück meinten andere Ärzte jedoch, ich solle zeichnen, so lange es noch geht. Da ich keine größeren Einschränkungen habe, die mich beim Zeichnen behindern und ich als Selbstständiger/Freiberufler mir meinen Tages- und Arbeitsablauf so ziemlich eigenständig gestalten kann, habe ich meine Krankheit eigentlich ganz gut "im Griff".

Alexandra: In vielen Ihrer Cartoons machen Sie sich lustig über den humorlosen Umgang mit dem Thema Behinderung. Wie kamen Sie auf die Idee, Cartoons über Behinderungen zu machen?

Phil Hubbe: Ich habe Ende der neunziger Jahre die Cartoons von John Callahan gesehen, der Behindertencartoons im "New Yorker" veröffentlichte. Die gefielen mir. Freunde und Kollegen meinten, das könne ich doch auch machen, schließlich wäre ich doch auch behindert. So fing ich also 1999/2000 an, auch dieses Thema zu bearbeiten – ein optimales Thema eigentlich für mich, ich konnte aus dem reichlichen Fundus eigener Erfahrungen und Erlebnisse schöpfen.

Cartoon – siehe Beschreibung
Beschreibung des Bildes: Vier unterschiedlich große Yachten im Hafen mit den Namen "MS Titanic", "MS Arcona", "MS Berlin" und "MS Strandgut". Daneben steht ein Rollstuhlfahrer; über ihm ein Pfeil mit dem Titel "MS Rainer".

Alexandra: Wie reagieren Betroffene auf Ihre Cartoons?

Phil Hubbe: Betroffene reagieren größtenteils positiv darauf. Da bekomme ich eher noch Kritik von einzelnen Behinderten, dass ich ihre Krankheit/Behinderung noch nicht in einem Cartoon behandelt habe. Probleme damit haben meistens die Nichtbetroffenen.

Alexandra: Für viele behinderte Künstler ist die Kunst oftmals das Aufarbeiten der eigenen Behinderung. Wie ist das bei Ihnen?

Phil Hubbe: Auch bei mir ist dies der Fall, nicht ausschließlich, aber sicher ein Teil davon.

Alexandra: Durch Ihre Arbeiten lernen Sie sicherlich unterschiedliche Menschen kennen. Gibt es länderspezifische Unterschiede, wie Ihre Cartoons aufgenommen werden bzw. lacht man überall gleich?

Phil Hubbe: Sehr große Unterschiede gibt es da nicht. In einigen Ländern ist man vielleicht noch etwas vorsichtiger. Mein Humor ist nun einmal "etwas" schwarz. Ich bin ein Freund des britischen Humors.

Alexandra: Was wollen Sie mit Ihren Cartoons erreichen?

Phil Hubbe: Dass der Betrachter darüber lachen kann. Dafür ist ein Cartoon nun einmal da. Wenn sich darin doch so etwas wie eine "Botschaft" finden lässt, okay. Das ist aber nicht unbedingt der Sinn eines Cartoons.

Alexandra: Wo kann man Ihre Cartoons bewundern bzw. erwerben?

Phil Hubbe: Mittlerweile habe ich zwei Bücher herausgebracht. Erschienen sind sie im Lappan-Verlag: "Der Stuhl des Manitou – Behinderte Cartoons" und "Der letzte Mohikaner – Behinderte Cartoons 2".

Für 2008 gibt es auch wieder einen Kalender mit meinen Cartoons, der ab Juli im Handel erhältlich ist. Desweiteren mache ich regelmäßig Ausstellungen und natürlich kann man auf meiner Homepage vorbeischauen.

Cartoon – siehe Beschreibung
Beschreibung des Bildes: Oben: Die Begleitperson eines Rollstuhlfahrers wird von einer älteren Dame leise gefragt: "Wie geht es ihm?" ... Beide, Begleitperson und Rollstuhlfahrer, gucken irritiert. – Unten: Darauf zückt der Rollstuhlfahrer ein Megaphon und brüllt hinein: "Gut! Wenn Sie mich so indirekt fragen!" Der Begleiter grinst zufrieden.

Alexandra: Was sind Ihre zukünftigen Pläne? Gibt es künftige Projekte?

Phil Hubbe: Ich würde ganz gerne mal eine längere Geschichte zeichnen, vielleicht mein Leben als Comic. Ein zukünftiges Projekt ist auf jeden Fall wieder ein neues Buch.

Vielen Dank für das Interview und die beiden Bilder, die Sie uns zur Verfügung gestellt haben!

Nähere Informationen über Phil Hubbe finden Sie unter: http://www.hubbe-cartoons.de

Infos zum Interview: Das Interview wurde per E-Mail durchgeführt.

Gesprächspartnerin: Alexandra Steiner

Quellen: Die abgebildeten Cartoons wurden für Projekt Gink-Go! von Phil Hubbe zur Verfügung gestellt.

Das Interview erscheint am 20. Juni 2007.

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